Wolang geht’s quer?

Geradeaus kann jeder. Mal rechts und links danebentreten, das ist schon ein Anfang. Einfach mal abbiegen oder sogar quer laufen erfordert schon etwas Mut. Denn wir wissen ja nicht, wo der Weg hinführt. Die betonierten Wege sind natürlich einfach und bequem. Man macht sich die Schuhe nicht dreckig. Weiß vorher schon, wie lange der Weg dauert, bis man am Ziel ist. So trottet die graue Einheitsherde einer dem anderen hinterher, ohne den Blick zu heben. Wozu auch. Gibt ja nichts Aufregendes zu sehen. Außerdem ist Aufregung nicht gut.

Und trotzdem ist da ab und zu einer, der den Kopf hebt und den ausgetretenen Pfad freiwillig verlässt. Von Neugier getrieben. Mit einer kindlichen und unstillbaren Wißbegier. Ein kleiner Rebell wenn man so will. Die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt. Allein macht er sich auf einen fremden Weg, ohne zu wissen, wohin die Reise geht. Dabei ist er ganz aufmerksam. Bleibt öfters stehen und betrachtet seine Umgebung genau. Schlüpfen wir doch einfach mal in die Rolle dieses kleinen Rebellen. Denk Dich mal hinein in ihn. Was spürst Du? Du öffnest automatisch erstmal Deinen Blick, läßt Deinen Kopf schweifen und siehst Dir an, was Dich umgibt. So genau hast Du noch nie hingesehen. So hast Du das ganze noch nie betrachtet. Stell Dir einen Baum vor. Von weitem ein grüner Fleck. Je näher Du kommst, desto mehr Details erkennst Du. Du siehst den Stamm mit seiner dicken Rinde. Er strahlt Kraft und Stärke aus. Du fühlst Dich von ihm angezogen. Dein Blick wandert höher und entdeckt das verschlungene Astwerk mit dem schon unverschämt üppigen Blätterdach. Fühlst Du Dich auch auf einmal so geborgen? Selbst wenn es jetzt zu regnen beginnt, unter dem Blätterdach hast Du Schutz.

Nachdem Du tief durchgeatmet hast, gehst Du weiter. Plötzlich liegen immer mehr Steine im Weg. Sie werden immer größer, Du mußt schon drüberklettern. „Na, so habe ich mir das mit dem Querlaufen aber nicht vorgestellt“ denkst Du. Mensch, dann geh doch einfach drumherum. Oder geh‘  einfach woanders lang, wenn es Dir zu mühselig ist. Das ist nun Deine Entscheidung. Du weißt nicht, was Du verpasst, wenn Du oben auf den Felsen angekommen bist. Du weißt aber auch nicht, wohin Dich das „woanders lang“ hinbringt. Ja, ja – das ist so eine Sache mit den freigewählten Wegen – irgendwann muß man sich hier entscheiden. Rechts oder links. Geradeaus oder rauf oder runter. Da war der betonierte Weg der grauen Einheitsherde doch einfacher. Aber willst Du dahin jetzt zurück? Nein, denn Du hast eine innere Freiheit gefunden, die Du nicht mehr aufgeben wirst. Unvorhergesehenen Wendungen wirst Du immer wieder begegnen. Mit scheinbar unlösbaren Aufgaben konfrontiert. Aber wenn Du Dich an einem reißenden Fluß ohne Brücke erst mal hinsetzt und die Situation ganz ruhig angehst, wirst Du auch eine Lösung zur Überquerung des Flusses finden. Ganz bestimmt. Und auf der anderen Seite angekommen könntest Du vor Glück heulen. Erzähl das jetzt mal der grauen Einheitsherde – sie werden sich die Hand vor den Mund halten vor Furcht, den Kopf über soviel Unvernunft schütteln und danach den betonierten Weg weitergehen und vergessen.

Die Richtung, in der sich jemand Gedanken über etwas macht, entspricht seiner geistigen Grundhaltung. Laß also einfach mal öfter den kleinen Rebellen in Dir raus und lauf einfach los…..

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2 Kommentare zu „Wolang geht’s quer?

  1. Gegen den Strom aus Lemmingen zu schwimmen, ist ein Gewaltakt.
    Am Ende kann es dennoch passieren, dass du trotz nach vorn gerichteten Blickes und entschlossenen Schrittes rückwärts hintenüber- und die unausweichliche Klippe hinabfällst.
    Dann kannst du aber für dich konstatieren: Ich bin MEINEN Weg gegangen.

    Hut ab, wer dieses Unterfangen bedingungslos und konsequent schafft.

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