Wer, bitte schön, ist John Doe?

Gute Frage. Keiner kennt ihn. Sollte man ihn kennen? Irgendwo ist bestimmt einer, der ihn kennt. Aber der weiß nicht, daß man jemanden sucht, der ihn kennt.

Wer ist also nun John Doe? Der Begriff stammt ursprünglich aus der Rechtsmedizin. Wird dort eine Leiche eingeliefert, deren Identität (zur Zeit) nicht festgestellt werden kann, wird er namentlich unter „John Doe“ geführt. Zumindest heißt er so in englischsprachigen Ländern. Da ich ein leidenschaftlicher Leser von Thrillern bin, begegnet mir der Begriff sehr häufig. Das weibliche Pendant ist übrigens „Jane Doe“. (boah, wat is die Rita für ’ne Klugscheißerin….*grins)

Was zum Teufel bewegt mich nun, heute über unidentifizierbare Leute zu schreiben? Zunächst mal finde ich es schon traurig, daß es Menschen gibt, die keiner zu kennen scheint. Viele Menschen müssen dafür auch noch nicht mal tot sein. Auch im Leben führen sie ein John oder Jane Doe-Dasein. Von anderen unbemerkt. Glatt übersehen. Anonym in der Menge.

Geh mal eine Haupteinkaufsstraße in Deiner Stadt entlang. Die vielen leeren Hüllen, die Dir da entgegenkommen. Ausdruckslose Gesichter. Augen, die nichts mehr sehen oder erkennen. Beine, die im Automatismus immer den gleichen Trott laufen. Anonymität gehört heute zum Leben dazu. Bloß nicht auffallen. Immer hübsch in der Reihe bleiben. Brav folgen. Da bist Du ja schon tot, ohne gelebt zu haben! Leben geht anders!

Hab den Mut zur eigenen Meinung! Geh einfach mal gegen den Strom. Selbstverständlich solltest Du nicht gleich mit Riesenapplaus rechnen. Selbstverständlich wird die große Masse erst mal den Kopf schütteln ob so viel Aufmüpfigkeit. Aber gerade jetzt und heute – besonders auch im Zusammenhang mit dem brandaktuellen Thema Flüchtlinge – da sollte sich jeder ein Herz packen und aufstehen. Die Regierung ist die Stimme des Volkes? – selten so gelacht. Die haben nicht den Mut, sich zu äußern. Sind auch solche John und Jane Does, die sich in den sinnfreien Raum verkriechen.

Aber Gott sei dank gibt es immer noch Menschen hier und da, die sind so herrlich anders. Herzerfrischend rebellisch. Ohne Rücksicht auf die Folgen. Das sind die, die auch quer laufen. Die machen es sich nicht so einfach. Die ecken auch mal an.

Ich bin auch so ’ne Nußecke. Hab’s mir schon mit manchen Leuten verdorben, nur weil ich die Wahrheit gesagt habe. Die ist halt nicht immer bequem. Aber wenn ich sie nicht sage, dann ersticke ich noch dran. Und das ist nicht gesund. Im Gegenteil. Was bleibt im Endeffekt dann von mir übrig? Auch so eine Jane Doe. Nee, also dann lieber ab und zu mutig sein und die Schnute aufmachen. Auch wenn’s Kritik hagelt. Und der ein oder andere die Straßenseite wechselt, wenn er mich sieht……

Advertisements

3 Kommentare zu „Wer, bitte schön, ist John Doe?

  1. Sorry, Sonne weckt meinen Widerspruchsgeist, deshalb vorweg: Ich stimme dir zu, dass „’s Maul aufmachen“ meist ne gute Sache ist. Aber ich finde, du tust dem armen John unrecht.

    Wer wäre nicht manchmal gern ein kleiner John Doe, neben sich eine kleine Jane Doe wissend. Nach der kräftezehrenden Wanderung durch die Wüste, nach panischen Stunden, eingepfercht auf einem Schiff, das beängstigend tief im Wasser liegt, angekommen in einem riesigen Gebäude, Schlafplatz auf dem Flur, Privatsphäre nur auf der Toilette. Und draußen die Glatzen mit Perücke, die Kritiker an der praktischen Vernunft. Bei sich nur das Motiv, ein besseres Leben zu führen, weil es keine Zukunft gibt, dort wo man her kommt, auch ohne Bürgerkrieg. Aber dann ist man ein Wirtschaftsflüchtling. Vielleicht doch ein wenig John Doe, einfach mal nicht wissen, wo man herkommt, hoffen dass man ignoriert wird, weil man erstmal nur seine Suppe essen möchte oder ohne den Chor von 200 Schnarchern einzuschlafen.

    Gefällt mir

    1. Eine andere Sichtweise. Das mag ich. Danke dafür. Wollen die Does von weit her aber nicht gerade hier ihre Anonymität verlassen? Aus einem Land, wo sie nur neutrale „Jagdbeute“ sind. Und eine Zukunft zu versuchen, die sie aus dem Nichts heraus in das Sein führt? Vielleicht sogar in ein personalisierendes Leben? Es bleibt dipolar – wie der Broccoli, der toll blüht, auch wenn er es nicht soll ….

      Gefällt mir

      1. Gestatten: Zeilenende, Advocatus Diaboli. 😄 Ich denke, zunächst geht es erst einmal um Normalität, dem permanenten Ausnahmezustandes des alten Lebens zu entkommen. Und dadurch zeichnet sich Familie Doe ja aus. Ja, es bleibt ambivalent, die Sache mit der Einzigartigkeit. Wenn jeder von uns einzigartig ist, ist der Revolutionär derjenige, der nur noch kopiert … Und manchmal ist Normalität auch eine Überlebens-Strategie, um nicht verrückt zu werden.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s