Erhellende Aussichten

Wer kennt nicht die Schildbürger, die nach Fertigstellung ihres neuen Rathauses feststellten, dass sie die Fenster vergessen hatten? Immerhin hatten sie an einen Ein- und Ausgang gedacht, durch eben welchen sie nun versuchten – mit wohl eher minderem Erfolg – das Licht hineinzutragen. Eben der berühmte Schildbürger-Streich. Fenster wären die bessere Lösung gewesen.  Eine durchsichtige Öffnung in einer Mauer. Die -so oft man will- geschlossen und zum Lüften geöffnet werden kann. Fenster benutzt man auch gern, um Geld durch die selbigen zu schmeißen. Ihre Hauptaufgabe ist es aber schon, Licht, Luft und Sonne in einen Raum hineinzulassen.

Und dann gibt es da diese Tage, da schaut man aus dem Fenster, und alles ist grau. Der Himmel ist verhangen, es ist diesig und neblig, die Bäume kann man gar nicht mehr erkennen. Die Einstrahlung des Lichts hält sich doch sehr in Grenzen. Bescheidene Aussichten – im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwie ist im Moment draußen immer schlechtes Wetter. Trübe Wolken und Regen, kein bißchen Sonne. Bin schon ganz deprimiert.

Dann habe ich eine Eingebung. Was, wenn es gar nicht an der Welt „da draußen“ liegt? Ich gehe also erst mal ins Badezimmer und wasche mein Gesicht kräftig mit Wasser. Ich trockne mich ab, und -siehe da-  das Licht wird schon heller. Ein Schleier vor den Augen hat alles eingetrübt. Ich wage erneut einen Blick aus dem Fenster – schon besser. Aber irgendendwas ist noch nicht richtig. Andeutungsweise kann ich einen blauen Himmel, Wiese und Bäume erkennen. Ich hole einen Eimer Wasser und einen Schwamm. Dann beginne ich, das Fenster zu putzen. Ich habe nämlich gemerkt, dass draußen gar kein so schlechtes Wetter ist. Es ist einfach der Bequemlichkeitsdreck auf meinem Fenster, der mir den Blick vernebelt. Da brauche ich mich ja nicht zu wundern,dass vor meinen Augen stets eine Einheitswolke hängt.

Yep, schau mal – das Wetter vor dem inneren Auge ändert sich schlagartig. Die trübe Wolkensuppe ist einfach weggeputzt. Es liegt eben nicht immer nur an dem Wetter da draußen, wenn man schlecht sieht oder die Aussicht nicht schön ist.

Manchmal ist es halt nicht das Haar in der Suppe, sondern die Suppe selbst….

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Ein Kommentar zu „Erhellende Aussichten

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