Maximalistische Antipathie

Jeder Mensch hat etwas, das er nicht sonderlich mag. Bei dem einen ist es die Farbe blau, der andere mag kein Unkraut. Fleisch wird von Vegetariern verschmäht, obwohl sie sich schminken..(ist ein anderes, SEHR interessantes Thema).VIP-Menschen mögen keine Kleidung von der Stange (VIP = Very Idiotic People). Anderen wiederum ist ein ungepflegter Rasen ein Gräuel, von ungeschnittenen Büschen und Bäumen ganz zu schweigen. Die einen mögen ihren Job nicht. Jemand anderer haßt Unpünktlichkeit. Intoleranz, Spießigkeit, schlechte Schuhe oder sonstwas…

Auch ich habe etwas, was ich nicht mag. Zumindest meistens nicht. Ich mag keine Menschen. Es gibt Ausnahmen, ja wirklich. Ich kenne auch ein paar. Aber am vergangenen Freitag abend musste ich selbst mit diesen Ausnahmemenschen ein Treffen absagen, weil es für mich einfach zu viel geworden wäre. Sie hätten mir den Atem genommen, obwohl ich sie wirklich richtig gern mag….

So bin ich nicht auf die Welt gekommen. Aber so bin ich geworden. Ein paar Ausnahmen behalte ich mir im tiefsten Inneren. Ich möchte der Umwelt nicht als absoluter Misantrop gegenübertreten. Hat sie auch nicht verdient. Ich habe halt nur die falschen Menschen kennengelernt. Zu vertrauensselig. Zu naiv. Zu gutgläubig. Aber liegt das wirklich nur an den anderen? Nein, mit Sicherheit nicht. Jeder Mensch hat irgendwo auch seine guten Seiten.

Ich bin nicht übermäßig schüchtern – zumindest nicht mehr. Es hat mir in der Vergangenheit nichts ausgemacht, vor einer Menge von Menschen einen Vortrag oder ein Seminar zu halten. Ich habe keine Angst vor Menschen, ich bin nicht soziophob. Aber ohne Menschen bin ich einfach zufriedener. Habe meine Ruhe. Muß mich nicht mit der Verletzung meiner Individualdistanz herumärgern. Ich habe mittlerweile eine sehr große Individualdistanz. Ein Albtraum für mich wäre, tagtäglich von Menschen umgeben zu sein.

Menschen sind für mich wie penetrierende Nadelkissen. Sobald sie den Mund aufmachen, möchte ich mich umdrehen und gehen. Verlogene Worte, oberflächliche Worte, verletzende Worte, bevormundende Worte…. wenn ich allein bin, muss ich sie nicht hören. Das ist für mich gelebte Meditation mit einer Portion Glücksgefühl. „Geh‘ mir ein wenig aus der Sonne“ – ist doch ganz höflich, oder etwa nicht? Ich halte es da mit Diogenes, der als philosophischer Asket in seiner Tonne lebte. Also so ganz allein scheine ich ja mit meiner Einstellung gar nicht zu sein. Wenn schon in früheren Zeiten Menschen mit solchen Ambitionen lebten und ihr Lebensheil in der Zurückgezogenheit fanden.

Natürlich, sie macht sich etwas vor – das denkt jetzt so mancher, der diesen Artikel liest. Na und? Dann mache ich das eben. Aber ich bin nicht der einzige Mensch auf dieser Welt, der das macht. Denkt doch mal an die Teesorten, die laut Werbung glücklich machen. Oder der neue Style, der Dich einzigartig macht. Haarschampoos mit Doping-Efefkt und Parfumes mit Ego-Effekt. Ich nehme mir einfach das Recht des Ressentiments, der Moralkritik. Frech. Kokett. Unangepasst.

Und für ganz Kritische: Die Nächstenliebe habe ich nicht aufgegeben. Nur verfeinert!

So, nun gehe ich wieder in meine Tonne …

Advertisements

2 Kommentare zu „Maximalistische Antipathie

  1. Der gute Diogenes hat mit seiner Tonne meiner Erinnerung nach mitten auf einem belebten Marktplatz gehaust. Der taugt also nur partiell als Beispiel, ansonsten: Ich kenne das Gefühl. Wenn ich in der Stimmung bin, sind am schlimmsten Menschen, die es gut mit einem meinen, sich nach dem Befinden erkundigen und … darüber reden wollen. Dann stehe ich immer kurz davor, einen großen Fleischwolf aufzubauen und die betreffende Person verbal hindurchzudrehen. Ja, ich kann das gut nachvollziehen. Und es ist anstrengend, wenn man Menschen trotzdem mag und sie auf Distanz halten muss. Da braucht es viel Verständnis von der Gegenseite. Und meiner Erfahrung nach können die nur die Wenigsten aufbringen.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s