Tausend mal berührt….

…und nie ist was passiert. Seit neun Jahren stehen nun schon die Kühe auf der Weide. Eingezäunt mit einem mobilen Zaun. Mit Strom. Und Merlin läuft drunterher. Mit hoch erhobener Rute, wie es sich für einen Rüden seines Schlages gehört. Munter schnuffelt er auf der Kuhweide herum, gedankenverloren ob der wunderbaren olfaktorischen Canidenpresse. Und läuft hin und her unter dem dünnen Seilchen her. Ist ja auch völlig unspektakulär.

Wie oft habe ich mich gewundert, dass er noch keine gewitscht bekommen hat. Glückshund das. Hat er gar einen eingebauten Blitzableiter? Nein, hat er nicht!

Heute regnet es wie aus Eimern. Schnell den Regenmantel an und zu einer flotten Hunderunde los. Natürlich an der Kuhwiese entlang. Strasse nass, Wiese nass, Hund nass – alles nass. Ich bin leicht gedankenversunken und Merlin geht seinen üblichen Zick-zack-Weg. Plötzlich ein schrilles Jaulen. Ganz laut und voller Schrecken. Die Rute steht nicht mehr senkrecht in die Luft gestreckt sondern ist unter dem Bauch verschwunden. Die Ohren hängen, er steht auf dem Weg und guckt mich vorwurfsvoll an. Mir ist sofort klar, was passiert ist. Es war das tausendundeine Mal, und es hat „zoom“ gemacht. Merlin ist völlig durch den Wind und weiß überhaupt nicht, was los ist. Der arme Kerl. Er kommt zu mir und seine Augen blicken mich fragend an: „Was war das? Ich hab doch gar nix gemacht. War das die Kuh?“

Auf dem Rückweg kommen wir wieder an der Stelle vorbei. Merlin bleibt stehen. Wartet auf mich. „Geht Frauchen da etwa dran vorbei? Ich warte erstmal ab. Dann kriegt die eben einen ab (gnihihihi).“  Wie es sich für einen Rudelführer gehört, gehe ich forschen Schrittes an der Unglücksstelle vorbei. Merlin folgt im großen Bogen, das dünne Seilchen stets im Blick.

Auch zuhause scheint er nachhaltig beeindruckt und sucht meine Hosentasche auf, um hineinzukriechen. Es passt zwar gerade mal seine Nase rein, aber egal. Wer weiß schon, was gerade in dem Hundekopf vor sich geht.

Eben sind wir die gleiche Strecke erneut gegangen. Merlin geht mit hocherhobener Rute voran. Richtung Stromzaun. Ich stutze und warte ab. Dann senkt sich seine Rute, er geht drunter her und auf der anderen Seite reckt sich die Rute wieder keck in die Luft. Das passiert einige Male, wenn er unter dem Zaun drunterhergeht.

Wer jetzt noch sagt, Tiere wären doof und hätten kein intuitives Erinnerungs- oder Lernvermögen, den schubse ich eigenhändig gegen den Stromzaun…. 🙂

Advertisements

3 Kommentare zu „Tausend mal berührt….

    1. Bei Pawlow musste die Kirchenglocke jedoch sehr häufig läuten, bevor der Hund sabberte. Merlin hat da eigentlich keine Konditionierung gebraucht – nur einmal „zisch“ und der Lerneffekt war da. Schlauer Hund das.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s