Wenn der Fitness-Guru ruft…

Die frühe Menschheit hielt sich mit Sprints und waghalsigen Kletterpartien fit, um dem Säbelzahntiger oder einem wildgewordenen Mammut zu entkommen. Das ist heute natürlich nicht mehr der Fall, und wir sitzen uns zumeist den ganzen Tag unseren Allerwertesten platt. Da muss man sich natürlich neue „Feinde“ suchen, vor denen man weglaufen kann. Ober für die man seinen Körper stählen muss, damit man einem wilden Gegner Paroli bieten kann.

Zugegeben, körperliche Fitness ist ganz gesund. Mens sana in corpore sana. Aber man kann es auch übertreiben. Sieht man sich manchmal die schwitzenden und ächzenden Menschen auf den Laufbändern oder Steppern an, kommen schon mal Zweifel auf. Mit hochroten Köpfen kämpfen sie sich tapfer durch das Training, weil es ja soooo gesund ist. Die Trainer in den Fitness-Studios sind zumeist recht scheue Gesellen, die sich gern im Dickicht verstecken und nur in Notlagen ihre vertrauten Höhlen verlassen.

Doch nun scheint die Zeit der Muckibuden bald vorbei zu sein. Das wirklich wahre Non-plus-ultra wird uns endlich im Fernsehen vorgestellt. Irgendwelche B-VIP’s werben mit Sprüchen wie „Mach Dich leicht“, „Ich mach‘ Dich sexy“ oder „Mit mir wirst Du fitter denn je“. Mehr oder weniger bekannte Gesichter mit six-pack-Bäuchen, aufgepusteten Bizeps oder „noch schlanker, und Du bist tot“-Körpern suggerieren uns, dass wir nur auf sie gewartet haben. Und das alles natürlich bequem über das Internet. Wer fährt denn heute noch in ein Studio? Das war doch gestern. Nein, heute wird zuhause vor dem PC trainiert. Bis die Wände wackeln. Hier sieht niemand Deine roten Backen und für Dein uncooles Schnaufen musst Du Dich auch nicht schämen. Die Werbeslogans werden zum Mantra. Und Du hast einen Prominenten als Personal Trainer. Wow. Das haben sonst nur die oberen Zehntausend. Und nun hast Du auch einen. Du trainierst Liegestütze mit D.J. Soest im Wohnzimmer – wie geil ist das denn? Mit Ursula Karven übst Du den sterbenden Schwan in der Küche und wirst dabei ganz leicht.

Einer fängt mit sowas an, und -schwupps-  die Trittbrettfahrer sind nicht weit. Ich bin gespannt, welche Schauspieler oder sonstige TV-bekannten Leute in naher Zukunft auf diesen „Fit im Internet“-Zug noch aufspringen. Eins ist jedoch sicher – wer auf einen fahrenden Zug aufspringen kann, muss zumindest eine gut trainierte Sprungkraft haben…

Jetzt muss ich aber Schluss machen. Der Papst hat gerade geschellt. Meine Fitness-Stunde „Knien und Aufstehen“ im Takt vom Vater unser beginnt jetzt.

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