1.80 cm, Schuhgröße 42

Schuhe kaufen ist für mich ein absolutes Greuel. Da schlage ich bei den weiblichen Enthusiastinnen völlig aus der Norm. Mein Schuhschrank ist sehr übersichtlich und ich komme nie in die Verlegenheit, überprüfen zu müssen, ob zu der ozeanblauen Hose besser die seeblauen oder meertürkis High-Heels besser passen. Die Farbpalette in meinem Schuhschrank beschränkt sich auf schwarz, braun und – sehr gewagt – weiß. Schuhe, die die Körpergröße positiv beeinflussen, sucht man bei mir vergebens. Meine Länge von 1.80 cm reicht mir völlig aus und muss nicht künstlich in die Höhe getrieben werden.

Damenschuhe sind für mich schon seit langem passé – ich passe einfach nicht hinein. Seit frühester Kindheit habe ich am rechten Fuß einen recht vorwitzigen Ballen. Eine Eisenplatte ist auf den Fuß gefallen, der Knochen war gebrochen, niemand hat es bemerkt und die Natur hat eben auf ihre Art und Weise dieses Manko beseitigt. Sie hatte jedoch leider kein Lineal zur Hand, um wieder einen makellosen Frauenfuß herzustellen.

Wurscht – da ich von der Natur bereits mit einer Körperlänge ausgestattet worden bin, die keine Nachhilfe benötigt, sind für mich Absätze nicht das unbedingte „must have“. Im Gegenteil. Ich erinnere mich an den pubertären Tanzkurs, in dem ich stets die Ersatzbank hütete, weil ich jedem potentiellen Tanzpartner selbst mit den flachesten Ballerinas auf den Kopf spucken konnte – hätte ich es gewollt. Ehrlich gesagt, war meine Körpergröße zu der Zeit für mich manchmal auch sehr frustrierend. Stets den Überblick zu haben ist nicht leicht. Immer auf die Mitmenschen runtergucken ist auch doof. Vor allem, wenn man sich selbst auch mal anlehnen möchte. Da traut sich keiner.

In meinem Berufsleben zieht es sich wie ein roter Faden, dass meine „Chefs“ stets kleiner waren als ich. Böse Falle. Ich hatte zu oft mit Napoleons Nachfolgern zu kämpfen, die sich einfach schon durch meine Präsenz bedroht fühlten. In Kombination mit meinen respektablen Gehirnleistungen wurde mir nicht selten der offene Krieg erklärt. Körpergröße als eine Art Handicap – ich habe es erlebt. Es hat mein Leben nicht unerheblich beeinflusst.

In gewissem Masse fühle ich mich meines weiblichen Erscheinungsbildes schon beraubt, aber – ganz ehrlich – das Bild des hilflosen Weibchens hätte eh‘ nicht zu mir gepasst. Weder äußerlich noch innerlich. So bin ich heute ganz zufrieden und im Einklang mit mir selbst. Und die Tatsache, dass in meinem Schuhschrank zu 90% Herrenschuhe stehen (weil die einfach am besten passen) stört mich auch nicht mehr. Dafür habe ich den Vorteil, nicht stundenlang über schwierige Farbnuancen sinnieren zu müssen.

 

 

 

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4 Kommentare zu „1.80 cm, Schuhgröße 42

  1. Ha ha, ich bin 1,77 m groß und habe die Schuhgröße 41 – also nur unerheblih weniger. Ich verstehe Dich sowas von gut! Und noch etwas: Die Männer, die ich immer total süß fand, waren kleiner als ich. Wurscht – irgendwann hatte ich mal einen Freund, der sechs Zentimeter kleiner als ich war. DAS war ein Spaß. Die Leute sind sowas von blöd! Als ob eine Körpergröße ausschlaggebend wäre.

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  2. Es zählen doch die inneren Werte. *g* Aber das Problem mit Herrenschuhen ist, dass es so wenig schöne gibt, gell? Vielleicht solltest du dich den Herrenschuh-Designern mal als Model anbieten. *g* Aber weiße Schuhe finde ich auch gewagt. Kann man die außer Haus überhaupt tragen?

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