Wahre Freunde?

Ich bin müde. Sehr müde. Aber es ist nicht die Art Müdigkeit, die man vor dem zu Bett gehen verspürt. Vielmehr ist es eine innere Müdigkeit, eine innere Leere. Dieses Gefühl legt einen bleiernen Umhang um mich und zieht mich hinunter. Jeder Schritt, jede Bewegung erfordern viel zu viel Kraft.

In meinem Leben habe ich viele, viele Menschen kennengelernt. Manche habe ich näher kennengelernt. Ein paar wenige standen mir sehr nah. Stets bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich sie wirklich kennengelernt habe. Das war enttäuschend. War der eine nur auf Vorteile bedacht, hat sich ein anderer von mir durchfüttern lassen. Wieder ein anderer benutzte mich als seelischen Mülleimer. Dann gab es noch einen Menschen, der mich als Eigentum ansah und mich besitzen wollte. Wieder und wieder lernte ich neue Menschen kennen, denen ich stets ohne jegliche Vorbehalte begegnete. Egal welcher Herkunft, egal welchen sozialen Standes. Und immer wieder habe ich das Messer ins Herz bekommen. Bin ich zu naiv? Zeige ich meine Grenzen zu spät? Bin ich zu selbstlos? Ich weiß es nicht, aber ich habe meine Kraft stets für andere aufgeopfert. Und nun habe ich keine mehr.

Mein Leben hat sich sehr verändert. Früher war ich ein lustiger und verspielter Mensch. Temperamentvoll und spontan, manchmal auch ein wenig verrückt. Jeder Mensch, dem ich auf persönlicher Ebene begegnet bin, hat ein Stück von mir herausgerissen und sich davon gemacht. Nun ist nicht mehr viel von mir übrig.

Und doch ist da noch der Funke Hoffnung. Menschen, die es ehrlich mit mir meinen – es scheint sie wirklich noch zu geben. „Ruf mich an, wenn es Dir nicht gutgeht – ich bin für Dich da“, sagt einer dieser Menschen und sie meint es ernst. Denn bei mir ist nichts mehr zu holen. „Gib Dir einen Tritt in den Hintern“, sagt eine andere. Und ihr ist es egal, ob ich deshalb sauer bin oder nicht. Wieder jemand anderes sagt: „Gerade, wenn es Dir schlecht geht, musst Du zu unserer Gestaltgruppe kommen.“ Ganz vorsichtig stecke ich meine Fühler aus dem Schneckenhaus heraus. Darauf bedacht, den nächsten Stein an den Kopf zu bekommen.

Aber die Hauptsache ist, ich traue mich!

 

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2 Kommentare zu „Wahre Freunde?

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