Kuno’s Tagebuch

Kuno ist ein prima Kerl. Stets gut gelaunt und immer aktiv. Er kann super gut schwimmen. Das ist auch gut so. Denn Kuno ist ein Goldfisch. Ein Goldfisch, der schreiben kann. Er führt Tagebuch:

Dienstag: Heute ist wieder viel los hier. Lauter zweibeinige Wesen drücken sich ihre seltsam abstehenden Gesichtsauswüchse an unserer Wohnung platt. Meine Mitbewohner und ich hassen das. Diese großen Glubschaugen folgend jeder unserer Bewegungen. Etwas komisches ist heute passiert. Einer von diesen zweibeinigen Wesen (der gibt uns immer lecker Essen) hat heute einen meiner Kumpels aus der Wohnung geholt. Bin mal gespannt, wann Flossi zurückkommt und was er dann zu erzählen hat.

Mittwoch: Flossi ist noch nicht wieder da. Wo bleibt er nur? Hoffentlich ist ihm nix passiert. Die anderen wissen auch nicht, wo er ist.

Donnerstag: Heute habe ich mich doch sehr von zwei Augenpaaren beobachtet gefühlt. Das ist ja purer Voyeurismus, so unverblümt in fremde Wohnungen zu stieren. Gut, dass unser Domizil mit so vielen grünen Möbeln ausgestattet ist. Da kann man sich wenigstens mal kurz verstecken.

Freitag: Ich bin noch völlig außer Atem. Heute ist mir etwas passiert, das glaubt mir keine Forelle! Unser Futterspender hat mich aus der Wohnung geholt. Zwangsräumung sozusagen. Ich habe echt gedacht, mein Herz bleibt stehen. Meine Flosse hätte ich darauf verwettet, dass mir so was nie passiert. Erst kam ich mit zwei anderen Kumpels in eine Art „Übergangsheim“, ganz kahl und ohne Möbel. Dann wurde es ganz dunkel und wir schwappten in unserem Minihaus hin und her. Auf einmal hörten wir Geräusche, so wie wir sie von unserem Futterspender immer vernommen haben. Eine große Krake griff nach unserem Zuhause und hob uns in die Luft. Echt, also dafür sind wir Fische nicht gemacht. Wenn Gott gewollt hätte, dass wir fliegen, hätte er uns Tickets gegeben. Kotzübel wurde uns bei dieser luftigen Aktion. Aber dann – was soll ich sagen – habe ich ein Schloß gesehen. Meine Kumpels und ich guckten uns fragend an. Wir staunten nicht schlecht, als wir die bereits eingezogenen Artgenossen sahen. Sie winkten uns mit ihren Flossen freudig zu. Ob wir da wohl auch einziehen?

Samstag: Ich bin total geschafft. Das war vielleicht ein Tag. Wir sind tatsächlich in dieses prunkvolle Schloß eingezogen. Ein riesiger Ozean, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Und ganz tolle Typen wohnen hier, die haben uns erst mal alles gezeigt. Wo man sich am besten verstecken kann, aus welcher Ecke das Essen kommt und was es hier so alles zu sehen gibt. Ganz im Ernst – ich glaube, ich habe mich verliebt. Da ist diese flotte Goldfischdame. Daisy heißt sie. Wenn ich an ihr aufregendes Schuppenkleid denke, bekomme ich Schnappatmung.

Also, hier will ich nicht mehr weg!

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2 Kommentare zu „Kuno’s Tagebuch

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