Wortreiches Nichts

Meine mich niederstreckende Erkältung habe ich so gut wie überstanden. Zumindest scheint es so. Ich kann wenigstens wieder mein Frühstück bereiten, Essen kochen und mit der Fellnase spazieren gehen. Natürlich nur kleine Wege, denn ich bin wirklich noch sehr erschöpft und muss erst mal wieder zu Kräften kommen. Aber meine kleinen Legionen haben ganze Arbeit geleistet im Kampf gegen die bakteriellen Invasoren.

Nun überlege ich, worüber ich heute schreiben könnte. Ich habe in den letzten 14 Tagen ja nicht wirklich etwas Erzählenswertes erlebt. Aber meinen Blog möchte ich auch nicht vernachlässigen. Also schreibe ich heute einfach mal über das „Nichts“. Alles ist nichts, nichts ist alles. Für etwas, das es eigentlich gar nicht gibt, existiert aber sogar ein Wort. Sehr interessant. Das Nichts scheint wichtiger zu sein, als man glaubt.

Nichts-tun ist eine wundervolle Art, um neue Kraft zu schöpfen. Einfach mal den Kopf frei machen, neuen Speicherplatz schaffen. Sich auf das Sofa setzen, fernsehen, aus dem Fenster schauen, Gedanken nachhängen oder in den Himmel gucken. Nichts-tun macht Spaß. Und warum? Weil es gar nicht so ein Nichts ist. Auch während wir Nichts-tun, tun wir etwas. Wir nehmen in diesen Momenten vielleicht sogar mehr wahr als bei voller Konzentration. Die Leichtigkeit des Seins nimmt uns mit auf eine wunderbare Reise. Es gibt kein Muss, keinen Zwang. Leise Töne finden ganz von allein zu unseren Ohren. Achtlos ignorierte Bilder werden vor unseren Augen zu einer großen Leinwand. Alle Sinne werden beim Nichts-tun neu geeicht. Unsere Phantasie wird geweckt, wir träumen uns wie von selbst in eine ferne Welt. Wir erleben Abenteuer, wagen uns an verdrängte Ziele und finden eine längst vergessene Ruhe vor uns selbst.

Und ich spüre: Nichts-tun muss ich erst mal wieder lernen. Funktionieren war stets oberste Maxime. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne Rücksicht auf mich selbst. Meine Sinne sind im Laufe der Jahre abgestumpft, ich habe sie achtungslos vernachlässigt. Jetzt habe ich neue, kleine Keimlinge entdeckt, die ihre zarten grünen Spitzen keck aus der Lebenserde recken. Ich werde sie ab und zu mit Nichts gießen, damit sie groß und stark werden.

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4 Kommentare zu „Wortreiches Nichts

      1. Hahaha, ja, so großzügig ist das Tao 😉 Wenn man selbst innerlich das Bewußtsein hat, Dingen ihren Lauf zu lassen (der Taoist nennt das Wu-Wei, der Christ sagt dann immer: „Vater, Dein Wille geschehe…“), wenn man nicht ganz verkrampft in Aktionismus verfällt, dann (so sagte mal ein Kollege von mir) „läuft sich alles zurecht…“

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